PFAS in Kosmetika – warum „Ewigkeitschemikalien“ ein Problem sind
Kurzfazit in 5 Sätzen
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PFAS (per- und polyfluoralkylierte Substanzen) sind wasser-, fett- und schmutzabweisende Chemikalien, die in einigen Kosmetika u. a. für „long-lasting“/„waterproof“-Effekte eingesetzt wurden. Sie sind extrem langlebig, verteilen sich weltweit in Wasser, Boden, Luft und Organismen – daher der Name Ewigkeitschemikalien.
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Menschen nehmen PFAS vor allem über Nahrung/Wasser auf; Spuren können auch aus Produkten stammen (z. B. Kosmetik, Textilien). PFAS wurden in Blut und Muttermilch nachgewiesen; besonders kritisch ist eine Beeinträchtigung der Immunantwort (z. B. schwächere Impfantwort).
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Die IARC stuft PFOA als krebserregend für den Menschen (Gruppe 1) und PFOS als möglicherweise krebserregend (2B) ein; EFSA leitete 2020 einen sehr niedrigen TWI (4,4 ng/kg KG/Woche) für vier PFAS ab.
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Kosmetische PFAS (z. B. PTFE, Perfluorodecalin, Perfluorohexylethyl Triethoxysilane, Perfluorononyl Dimethicone) sorgen z. B. für Gleit-, Film-, Glanz- oder Wasserabweisung; sie gelangen nach dem Abwaschen ins Abwasser.
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Regulatorisch: In der EU läuft eine umfassende REACH-Beschränkung für alle PFAS (Entwurf 2023, aktualisiert Aug 2025). In den USA verbieten mehrere Bundesstaaten (z. B. Kalifornien) absichtlich zugesetzte PFAS in Kosmetika (seit 1. Jan 2025).
1) Was sind PFAS – und warum kommen sie in Kosmetika vor?
PFAS sind eine sehr große Stoffgruppe (>10.000 Verbindungen) mit C-F-Bindungen – einer der stabilsten Bindungen in der Chemie. Eigenschaften: wasser-/fettabweisend, chemisch stabil, reibungsarm. In Kosmetika wurden PFAS u. a. genutzt für:
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„Long-wear/Waterproof“ (Make-up, Mascara, Eyeliner, Lippenstifte),
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Gleit- und Fülleffekte (PTFE/Teflon in Primern, Puder),
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Filmbildung/Glanz/Weichzeichner (fluorierte Siloxane/Polymere).
Typische INCI-Hinweise (Auswahl):
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PTFE, Perfluorodecalin, Perfluorohexane, Perfluorononyl Dimethicone, Perfluorohexylethyl Triethoxysilane, (Poly)Perfluoromethylisopropyl Ether, …-fluoro-…, …-perfluoro-…. Ein Sonderfall ist HC Yellow No. 13 (PFAS-Farbstoff).
2) Umwelt: „Ewigkeit“ ist das Problem
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Persistenz & Mobilität: Viele PFAS sind praktisch nicht abbaubar; sie sind mobil (gelangen mit Wasser weit), reichern sich in Ökosystemen an und wurden in europäischen Gewässern häufig über Grenzwerten gefunden (z. B. PFOS). Rückholung aus der Umwelt ist nahezu unmöglich.
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Eintrag aus Kosmetika: Rinse-off-Produkte (z. B. Make-up-Entferner, Reinigungsprodukte) sowie Abwasch von Leave-on-Produkten tragen direkt zum Abwassereintrag bei – Kläranlagen entfernen PFAS nur begrenzt.
3) Gesundheit: Was ist gesichert, was ist in Prüfung?
Gesicherte/behördlich bewertete Aspekte
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EFSA-Bewertung (2020): Für PFOS, PFOA, PFNA, PFHxS wurde eine Gruppen-TWI von 4,4 ng/kg KG/Woche abgeleitet (kritischer Endpunkt: verminderte Impfantwort). Die Aufnahme erfolgt überwiegend über Lebensmittel und Trinkwasser.
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IARC (2023): PFOA = krebserregend (Gruppe 1); PFOS = möglicherweise krebserregend (2B) (u. a. Hinweise auf Nieren-/Hoden-Krebs für PFOA, starke mechanistische Evidenz).
Weitere gesundheitliche Hinweise (Evidenzlage wächst):
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Leber-, Schilddrüsen-, Stoffwechsel-/Cholesterin-Effekte, Fruchtbarkeit/Entwicklung, Immunmodulation – in Human- und Tierstudien beschrieben; die Dosis-Wirkungs-Beziehungen sind teilweise noch Gegenstand der Forschung.
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Biomonitoring: PFAS werden regelmäßig im Blut der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen; Muttermilch-Reviews berichten messbare Gehalte (Transfer aus dem Blut in die Milch).
Einordnung für die Beratung:
Kosmetische Exposition ist meist geringer als die über Essen/Trinken, trägt aber – wegen Persistenz und Vielfach-Exposition – zum Gesamtrisiko (Mixture) bei. Das Vorsorgeprinzip spricht dafür, PFAS in Kosmetika zu vermeiden, wenn gleichwertige Alternativen existieren.
4) Regulierung (Stand: 09. September 2025)
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EU (REACH-Gesamtbeschränkung): 2023 wurde eine umfangreiche PFAS-Restriktion vorgeschlagen (über 10.000 Stoffe). Aktualisierter Vorschlag veröffentlicht Aug 2025; die ECHA-Ausschüsse (RAC/SEAC) beraten sektorweise (u. a. Kosmetik). Abschluss der wissenschaftlichen Bewertung wird 2026/27 erwartet; daraus folgt der Kommissionsvorschlag zu Verboten/Übergangsfristen.
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EU – sonstige Maßnahmen: Für PFOS/PFOA bestehen schon POP/REACH-Beschränkungen; Lebensmittel-Höchstgehalte/Kontrolle basieren auf der EFSA-Bewertung.
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USA (Bundesstaaten): Kalifornien verbietet seit 1. Jan 2025 absichtlich zugesetzte PFAS in Kosmetika (PFAS-Free Beauty Act, AB 2771); weitere Staaten ziehen nach.
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Frankreich/UK (Beispiele): Frankreich arbeitet an PFAS-Verboten für Alltagsprodukte (inkl. Kosmetik); im UK wird eine umfassende Restriktion diskutiert. Details werden noch politisch verhandelt.
5) Praxis: PFAS in Produkten erkennen & vermeiden
A) Schnellcheck INCI (Laienregel):
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Enthält die INCI-Liste Begriffe wie „perfluoro…“, „polyfluoro…“ oder „…fluoro…“ → hohe Wahrscheinlichkeit für PFAS.
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Beispiele (nicht vollständig): PTFE, Perfluorodecalin, Perfluorohexane, Perfluorononyl Dimethicone, Perfluorohexylethyl Triethoxysilane, (Poly)Perfluoromethylisopropyl Ether, HC Yellow No. 13.
B) Typische Produktkategorien:
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Make-up: „Waterproof/Long-lasting“, Priming/Blurring-Puder.
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Haar: Glanz/Anti-Frizz/Hitze-Schutz-Claims.
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Nagel/Lippen: Haft-/Glanz- und Filmbildner. (Immer INCI prüfen.)
C) Einkauf/Empfehlung:
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PFAS-freie Alternativen wählen (z. B. Silica, Mica, natürliche Wachse/Öle, nicht-fluorierte Filmbildner).
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Labels/Claims kritisch lesen („PFAS-frei“, „clean beauty“) und Hersteller-Bestätigung erfragen.
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Tools: Datenbanken/Apps (z. B. BUND ToxFox, in Überarbeitung mit PFAS-Check).
6) Häufige Fragen (FAQ) – kurze, klare Antworten
Sind PFAS in Kosmetik direkt gesundheitsschädlich?
Die gesamtgesundheitliche Bewertung erfolgt für PFAS-Exposition insgesamt. EFSA sieht Immun-Effekte als kritisch (sehr niedriger TWI). Einzelprodukte tragen unterschiedlich bei – Vorsorge: PFAS in Kosmetik möglichst meiden.
Welche INCI deuten sicher auf PFAS hin?
Begriffe mit „perfluoro/fluoro“ sowie PTFE & Co. (siehe Liste). Im Zweifel Hersteller kontaktieren.
Ist „fluorierte Silikone“ (z. B. Trifluoropropyl-Siloxane) auch PFAS?
Ja – organofluorierte Siloxane mit per-/polyfluorierten Seitenketten zählen zur PFAS-Familie und werden von Behörden in PFAS-Listen geführt.
Wie ist der Rechtsstand in der EU?
Eine breite PFAS-Beschränkung wird unter REACH vorbereitet/aktualisiert (2025). Für Kosmetik sind Verbote mit Übergangsfristen sehr wahrscheinlich – finaler Beschluss nach RAC/SEAC-Bewertung.
Und international?
Kalifornien & weitere US-Bundesstaaten verbieten absichtlich zugesetzte PFAS in Kosmetik ab 2025. Frankreich treibt Verbote für Alltagsprodukte voran.
7) Gesprächsleitfaden für die Offizin (Kurzversion)
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Bedarf klären: Warum „waterproof/long-lasting“? Gibt es nichtfluorierte Alternativen mit ausreichender Performance?
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Kurz erklären: PFAS = sehr langlebig, weltweit verbreitet, gesundheitlich relevant (Immun-/Krebs-Einstufungen).
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INCI zeigen: „perfluoro/fluoro/PTFE“ als rote Flagge.
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Alternativen vorschlagen: PFAS-freie Marken/Produkte (bei dermoprotect gelistete Apothekenprodukte sind PFAS-frei). Keine Angstkommunikation – Fokus auf Vorsorge & Qualität.
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Spezialgruppen: Schwangere/Stillende/Kinder – Exposition insgesamt möglichst gering halten; PFAS-freie Optionen priorisieren.
8) Wissensbausteine für die interne KI (Q&A-Snippets)
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Q: „Welche PFAS-INCI kommen in Kosmetik vor?“
A: Z. B. PTFE, Perfluorodecalin, Perfluorohexane, Perfluorohexylethyl Triethoxysilane, Perfluorononyl Dimethicone, (Poly)Perfluoromethylisopropyl Ether, HC Yellow No. 13. Merke: „perfluoro/fluoro“ in der INCI ist ein starker Hinweis.
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Q: „Wie gefährlich sind PFAS?“
A: IARC: PFOA = krebserregend, PFOS = möglicherweise krebserregend; EFSA: strenger TWI wegen Immun-Effekten. Vorsorgeprinzip anwenden.
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Q: „Wie ist die EU-Lage?“
A: Umfassende REACH-Beschränkung in Arbeit (Entwurf 2023, Update 2025); Sektor Kosmetik inkludiert; finale Entscheidungen nach RAC/SEAC (erwartet 2026/27).
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Q: „Was gilt in Kalifornien?“
A: Seit 01/2025 Verkaufs-/Herstellverbot für absichtlich zugesetzte PFAS in Kosmetika (AB 2771).
9) Quellenbasis
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Dermoprotect (Ausgangsseite): Überblick zu PFAS-Problemen, INCI-Hinweis („fluoro“), Praxisempfehlung (PFAS-freie Produktlisten/ToxFox).
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Behörden/Dossiers:
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FDA (USA): Auflistung häufiger PFAS-INCI in Kosmetika (PTFE, Perfluorohexylethyl Triethoxysilane, fluorierte Siloxane u. a.).
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EFSA (EU): TWI 4,4 ng/kg KG/Woche (Immun-Endpoint) für 4 PFAS; Hintergrund & News.
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IARC (WHO): PFOA Gruppe 1, PFOS Gruppe 2B – Begründung & Q&A.
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EEA: PFAS-Belastung europäischer Gewässer (PFOS-Vergleiche mit Schwellenwerten).
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ECHA/REACH: Universal-PFAS-Beschränkung – Update Aug 2025, Zeitplan der Ausschüsse (RAC/SEAC).
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INCI-Listen (Ergänzung): Branchen/Verbandsquellen (z. B. Cosmebio) mit konkreten PFAS-INCIs.
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Recht international: Kalifornien AB 2771 (PFAS-Verbot in Kosmetik ab 2025).
Kommunikationstipps (für FDA-Team & Content)
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Ton: nüchtern, Vorsorge statt Alarm – PFAS sind ein systemisches Umweltproblem, nicht „die eine böse Creme“.
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Kernbotschaft: „Wenn verfügbar, wählen wir PFAS-freie Formulierungen – Umweltbelastung senken und potenzielle Gesundheitsrisiken vermeiden – ohne auf Qualität zu verzichten.“
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Transparenz: Bei Unklarheiten (Grenzfälle in INCI) aktiv Hersteller bestätigen lassen.
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Aktualität: REACH-Entscheidungen & nationale Gesetze entwickeln sich – jährlich prüfen und Inhalte der KI synchronisieren.
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